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Ode von Thomas Melle

© Foto: Heiko Sandelmann
von Thomas Melle

Man stelle sich vor, eine Künstlerin enthüllt eine Skulptur, die buchstäblich aus Nichts besteht. Leerer Raum, versehen mit dem Titel «Ode an die alten Täter» – um daran zu erinnern, dass ihr die Nazis mit der Ermordung ihres gewalttätigen Großvaters das Leben geschenkt haben, weil ihre Mutter deswegen überlebt hat. Der Shitstorm wäre wohl gewaltig, von allen Seiten. Die Künstlerin Fratzer tut genau das, ist dem Druck nicht gewachsen und bringt sich um.

Zehn Jahre später will Regisseur Orlando diese Begebenheit mit seiner Theatergruppe nachspielen und scheitert an der Frage, ob er sich die Geschichte einer anderen Person aneignen darf, wenn er selbst nichts Vergleichbares erlebt hat.

Im dritten Teil tritt dann das Kunstwesen Präzisa auf und hält eine ergreifende Rede über die Freiheit der Kunst. Zu diesem Zeitpunkt allerdings ist die rechtsextreme Bewegung «die Wehr» schon so mächtig, dass der Kampf verloren scheint.

Thomas Melles Stück ist ein starkes Plädoyer, das, viel verspielter als man vermuten könnte, vor den Gefahren warnt, die der Kunst durch Angriffe von Linksaktivisten und Nationalisten gleichermaßen drohen. Dabei darf nur eins nicht verhandelbar sein in einer Demokratie: die Freiheit der Kunst und der notwendige Streit um die Grenzen dieser Freiheit. Eine Gesellschaft, die diese Debatte beendet, erklärt ihren eigenen Bankrott.

28.11.2021
15:00 Uhr
Stadttheater Bremerhaven, Kleines Haus | Theodor-Heuss-Platz | 27568 Bremerhaven
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